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Modellregion Wümme

NATURA 2000 – eine Chance für Bremen

NATURA 2000 ist der europäische Beitrag zur 1992 in Rio de Janeiro verabschiedeten Biodiversitätskonvention. Die gemeldeten NATURA 2000-Gebiete haben in Deutschland einen Flächenanteil von rund 14%, wobei die marinen Bereiche dabei ca. ein Drittel ausmachen (BMU / BfN, NATURA 2000 in Deutschland. Edelsteine der Natur, 2008). Im Bundesland Bremen liegt der Flächenanteil bei 21 % (SUBVE, 2007), was umso bemerkenswerter ist, als dieses Bundesland ein Stadtstaat mit ausgedehnten Siedlungsflächen ist.

Der hohe Anteil an Natura 2000-Gebieten bedeutet auch eine hohe Verantwortung für das Bundesland Bremen. Um dieser gerecht zu werden, müssen die Landschaften bzw. Populationen zum einen einen günstigen Erhaltungszustand aufweisen, zum anderen sind Ideen gefragt, wie das Thema Natura 2000 positiv in der Öffentlichkeit verankert werden kann.

Mit dem Projekt ‚NATURA 2000 – eine Chance für Bremen’ wird diese positive Verankerung auf mehrfache Weise gefördert. Das Projekt wird vom Senator für Umwelt, Bau, Verkehr und Europa sowie der Stiftung NordWest Natur und der Sparkasse Bremen finanziert.

Das Projekt ist  für den Zeitraum Sommer 2009 bis Jahresende 2011 geplant. Die Aktivitäten werden in vier Einzelprojekten durchgeführt.

NATURA 2000 - Eine Chance für Bremen

Projekt 1:  Workshop NATURA 2000 – was geht uns das an?

In den bremischen NATURA 2000-Landschaften sind viele Akteure mit einem intensiven, oftmals historisch gewachsenen Bezug zur Landschaft zu Hause: Landwirte, Angel- und Kanuvereine, Schulen, Kunstvereine, Gaststätten usw. Die Wümme- Landschaft ist ihnen bestens vertraut, ihr europäischer Schutzstatus ist hingegen vielfach nicht bekannt oder bleibt abstrakt. Die Stiftung NordWest Natur will mit diesen Menschen ins Gespräch kommen. Ziel ist es, die Akteure für NATURA 2000 zu interessieren und zu eigenem Engagement für diese Landschaft anzuregen.

NATURA 2000 - Eine Chance für Bremen

Projekt 2: NATURA 2000-Gebiete in Vergangenheit und Gegenwart

Jedes NATURA 2000-Gebiet hat seine individuelle Geschichte, die – insbesondere in einem städtischen Ballungsraum wie Bremen – über Jahrhunderte von Menschen mitgeprägt wurde. Die Geschichte einer Kulturlandschaft findet im kollektiven Gedächtnis der örtlichen Bevölkerung ihren Widerhall in Form von Erzählungen, persönlichen Erinnerungen, historischen Bildern etc. Die unterschiedlichen Lebenshintergründe und –erfahrungen spielen eine wichtige Rolle dabei, aus welchem Blickwinkel das Gebiet betrachtet und emotional in Wert gesetzt wird (z. B. als Landschaft der Kindheit und Jugend, Produktionsstandort oder Familienbesitz über Generationen). Indem der Naturschutz Verbindungen zu solch heimatkundlichen Gebietsaspekten herstellt, kann sich die Kommunikation mit den Menschen vor Ort erfolgversprechend gestalten.

Im Projekt 2 werden Landschaftsgeschichte und Geschichten durch eine Ausstellung mit historischen Ansichten der Wümmelandschaft sowie Erzählcafes lebendig gemacht.

Hinweis: Ausstellung in den Räumen der Sparkasse Bremen-Borgfeld vom 09.11. bis 28.12.2011 im Rahmen der Öffnungszeiten (Mo-Do 9:00 - 13:00, Mo-Mi 14:30 - 16:30, Do 14:30 - 18:00, Fr 9:00 - 14:30)

NATURA 2000 - Eine Chance für Bremen

Projekt 3: NATURA 2000-Paten

Ziel des Projektes ist es, dass heimatverbundene Menschen und Naturliebhaber aus Bremen und der Region sich für einzelne Tierarten bzw. NATURA 2000-Gebiete engagieren. Das Engagement kann unterschiedlicher Intensität sein: Spendenaufrufe für Artenhilfsmaßnahmen, persönliche Beiträge in Naturschutzveranstaltungen bzw. Medien oder auch die Integration von Natur- bzw. Artenschutzthemen in das eigene berufliche oder ehrenamtliche Wirkungsfeld.

Im Zeitraum Herbst 2010 bis Sommer 2011 wurden drei Patenschaften gestaltet: Fischotter, Kiebitz und Neunaugen.

Auf den Spuren des Fischotters - eine Lebensraumerkundung mit der Aktion Fischotterschutz

Im November 2010 waren Fischotterpaten mit Wolfgang Dobers (Aktion Fischotterschutz, Ottersberg) unterwegs in der Wümmeniederung bei Fischerhude. An nahezu jeder potentiellen Fundstelle gab es für die Gruppe ein Erfolgserlebnis. Wolfgang Dobers ist seit Jahren regelmäßig in dieser Landschaft unterwegs und erläuterte, wie sich der Fischotterbestand in jüngster Zeit deutlich erholt hat - bis hin zu einzelnen, spektakulären Sichtbeobachtungen, auch im Bremer Wümmeabschnitt.

Kiebitze unterwegs in Europa

Kiebitze gehören zu den klassischen Wiesenvögeln der Bremer Wümmeniederung. Leider ist ihr Bestand auch hier seit Jahren rückläufig. Auf Initiative und mit Unterstützung der Stiftung NordWest Natur stand der Jahreslebensraum des Kiebitz im Mittelpunkt von Unterrichtsstunden an der Grundschule Borgfeld. Die Überraschung der Kinder war groß, als deutlich wurde - nicht nur Bremer Familen brechen im Herbst Richtung Mittelmeer auf.

Neunaugen gesucht - Lachs entdeckt!

NATURA 2000 - Eine Chance für Bremen

Projekt 4: Menschen aus NATURA 2000-Gebieten im Gespräch

Wertgebende Arten und Lebensräume der bremischen NATURA 2000-Landschaften sind auch in anderen Regionen der EU vertreten. Für dieses Projekt wurden der Lebensraum Fluss (Lebensraumtyp 3260 der FFH-Richtlinie) sowie die Arten Fischotter, Flussneunauge und Rohrweihe ausgewählt.

Projektbestandteile sind:

In Deutschland sowie der Europäischen Gemeinschaft wird eine Recherche zum Thema NATURA 2000 und zu den ausgewählten Arten und Lebensraumtypen durchgeführt. In Länderprofilen werden die Vorkommen der ausgewählten Arten beschrieben und bewertet, sowohl für die bremische Wümmeniederung als auch für Vergleichsregionen.

Akteure aus der bremischen Wümmeniederung sowie aus zwei Vergleichsregionen in Deutschland werden ins Gespräch gebracht. Hierzu soll 2011 eine Veranstaltung ‚Zu Gast in bremischen NATURA 2000-Gebieten' durchgeführt werden.

Ziel dieses Workshops ist es, einen breit angelegten fachlichen Austausch über Ländergrenzen hinweg zum Thema NATURA 2000 zu initiieren. Konkrete Inhalte sollen sein: Schutzgüter, Wertigkeit der Gebiete, Erhaltungszustand, Schutz und Nutzung. NATURA 2000 betreffend sollen die jeweiligen Erfahrungen, Wirkungen, gebietsspezifische Erfolge und Defizite bei der Umsetzung und die jeweilige Akzeptanz diskutiert werden. Abgerundet wird der Workshop durch eine Exkursion im Wümmegebiet.

Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie in der Modellregion Wümme

Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie wird seit 2001 zunächst vom Projektbüro Wümme des WWF, ab Juni 2006 dann von der Stiftung NordWest Natur aktiv gestaltet. NWN-Geschäftsführer Gunnar Oertel vertritt die Umweltverbände in der Gebietskooperation 24 Wümme.

Informationen

Mit einer Broschüre „Flusslandschaft Wümme – unterwegs zum Guten Zustand“ bietet NordWest Natur eine inhaltliche Plattform für die modellhafte Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie. Die 9-teilige Flyerserie zu den wichtigsten Themen der Wasserrahmenrichtlinie konkretisiert einzelne Aspekte.

Veranstaltungen

Seit 2004 werden jährlich Wümmetage gemeinsam mit der Alfred Toepfer Akademie für Naturschutz veranstaltet. Der diesjährige Wümmetag fand am 7. September im Raum Worpswede/Tarmstedt statt.

Veranstaltungsprogramm

Vortrag Werner Burkart, Dr. Hans-Gerhard Kulp, Gunnar Oertel

Im Auftrag der Gebietskooperation Wümme veranstaltet die Stiftung regelmäßig Praxistage zu interessanten Einzelaspekten der Wasserrahmenrichtlinie in der Modellregion Wümme. Der Praxistag 2011 führte in den Raum Veerse. 

Projekte

Wichtige Beiträge zur Modellregion Wümme leisten die von der Stiftung initiierten Vorhaben "Projektteams für einen Guten Zustand vor Ort" und die
"Initiative Kulturlandschaft Wiesteniederung".

Weiterführende Informationen erhalten Sie hier

sowie auf Anfrage bei der Stiftung NordWest Natur.

 

Modellregion Wümme - beispielgebend für Deutschland

Die Modellregion Wümme ist für das Handlungsfeld Öffentlichkeitsbeteiligung als beispielgebend der Grünen Liga eingestuft. Das Projekt "Steckbriefe zur wirksamen WRRL-Umsetzung" der GRÜNEN LIGA wird vom Bundesminsterium für Umwelt und vom Bundesumweltamt gefördert.

Literatur: BENDER, MICHAEL & TOBIAS SCHÄFER: Gewässerschutz im Zeichen der Wasserrahmenrichtlinie. Konflikte, Handlungsfelder und gute Beispiele, Berlin 2009